3 Tage Flying Circus (Fiss) 2016

Flying Circus - 3 Tage mitten drin

Da ich aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig meine Teilnahme am Event absagen musste, kommt der diesjährige Bericht aus der Feder von Achim Dörfler ...


Donnerstag der 07.07.2016, gegen 23:00

Deutschland ist soeben aus der EM raus. Der ORF hat kaum was im Radio übertragen. Danke dafür! 6 Stunden Dienstreise, Flugverspätung, Unfallstau am Irschenberg und 160km Inntalautobahn mit Tempolimit 100 (IG-L). Der Gedanke „wozu der Quatsch“ hält sich noch immer hartnäckig. Im Fisser Hubertushof angekommen, endlich. Ein Zug Frischluft-ahhhhhh- meine Stimmung hat nen riesen Bart erwischt und kommt erstaunlich schnell wieder auf Hangkantenhöhe!

Die Gesamtsituation vor Ort ist unübersichtlich. Hangflieger aus allen möglichen Ecken der Welt müssen hier rummarodieren, den ganzen Tag schon. Trinken jetzt wohl irgendwelche Sachen in irgendwelchen Bars und inhalieren irgendwo den Rauch einer weithin berüchtigten Vasco-da-Gama. Also Taschen raus, Auto zu und nix wie los. Fußball doof und vergessen, denn jetzt geht’s 3 Tage lang nur um`s Hangfliegen! Und um die ganzen Verrückten in dieser Szene!!!

Donnerstag 07.07.2016, 23:30

im Hackl`s Keller ist high noon. Habe schon verstanden! Hier ist der traditionelle Tagungsort der Haupttäter. Die Teck- bzw. Schwaben-Mafia. Mittendrin Theo Arnold. Die beiden Jungs von Matsches Composite. Das halbe Orga-Team um Gerd Holzner. Und alle durchweg noch in humantypischer Weise ansprechbar. Und die Gesichter verraten: der Tag muss geil gewesen sein. Auch ohne mich;) und diese wie war das noch… Ehähm...

Man wird sich also noch etwas verquatschen… also ein Bier bitte…

Freitag 08.07.2016, ca. 3:00

langsam müde, aber die schlimmste Unterhopfung ist kuriert. Freue mich auf`s Bett und träume bald vom Schönjoch. Ich kenne den Ort zwar gut von eigenen Flügen, war aber bisher immer darauf aus, die großen Veranstaltungen wie Flying Circus etc. zu meiden. Ob ich damit richtig lag und ob all die Anekdoten die man sich so erzählt auch wahr sind, das will ich jetzt endlich herausfinden. Und deswegen bin ich dieses Jahr das erste Mal hier. So denke ich noch im Bett und bin dann auch bald weg…

Freitag 08.07.2016, ca. 8:00

aufstehen! Geht erstaunlich gut! Das Schönjoch ruft. An der Gondel treffe ich erst Mal einen netten Briten und einen besonders gut aufgelegten Stefan Höllein. Die scheinen sich hier richtig auf was zu freuen. Die Stimmung ist dermaßen gelöst…

Kurz darauf: das Orga-Team hinterlässt die erste Duftmarke. Ich stelle mit Freuden fest, dass man hier nicht mal seine Modelle zur Startstelle schleppen muss. Es gibt ein Shuttleservice, von dem der Stuttgarter ÖPNV sich mehrere Ecken abschneiden könnte (ja: SERVICE!) und so bin ich ratzfatz am Joch mit meinem Stingray und dem Fox-Prototyp inklusive der zwei Satz Flügel die es auszutesten gilt.

Mein erster Eindruck: das Landefeld ist absolut in Ordnung, hier hat man im Vergleich zu Pfingsten wirklich noch richtig hingelangt!

Ich schmeiße meine Flieger hin und hebe den Kopf. Eigentlich will ich ja vor Allem gucken und erst mal gar nicht mitspielen. Aha, der gute Steinbach mit seinen jungen Testpiloten hat 10 m weiter seinen Luftwaffenstützpunkt bezogen (auf eure Showacts freue ich mich besonders:evil:). Die Jungs am Knüppel kenne ich vom Sehen her erst Mal nicht. Aber das wird schon…

Die anderen Jungs, die vorhin noch im Hackl performt haben, sind auch jetzt wieder da … und performen weiter. Was soll man machen, es trägt halt! Theo Arnold hat seinen aktuellen Arcus M am Start, und zeigt in gewohnter Weise warum dieser Berg hier sein Wohnzimmer ist. Die beiden Tangent ASG 29 von Theo und Roland geben ein tolles und eingespieltes Team und beeindrucken mich immer wieder mit ihrer Leistungsfähigkeit, aber auch Festigkeit. Immer sicher geflogen, immer mit ausreichend Abstand und trotzdem was zu sehen. Size matters eben doch. Dazwischen ein Haufen Spargelflieger, deren Namen und Spezifika ich leider nicht kenne (das Zeug, das mich interessiert, muss halt nach Flugzeug aussehen… sorry…).

Die Hölleins sind mit einer riesen Horde Inside`s (?) F5J am Start und das ziemlich oft. Und auch sonst überall präsent. Und immer unglaublich hilfsbereit, freundlich etc. Hey Jungs, von solchem Engagement leben diese Veranstaltungen :ok:

Dann wären da noch Daniel und Matthias mit ihren Matsches-Swift. Ganz tolle Performance (diesmal am Hang ;)). 300km/h plus X- wo liegt das Problem? Inzwischen ist auch unser guter Freund Lutz mit seinem WAM Stingray aufgekreuzt- klasse Pilot mit klasse Material. Ich kann`s jetzt auch nicht mehr lassen, ballastiere meinen Fox und gehe ebenfalls an die Flitsche. Ergebnis: möge das Publikum entscheiden. Egal- die Chemie stimmt in jeder Beziehung, wir werden die folgenden Tage viel zusammen fliegen … und feiern. Auf gutem Niveau -denke ich:evil:

Inzwischen ist auch endlich die Firma Edi`s Modellbau-Paradies verhaltensauffällig geworden. Thomas Lomb zeigt, warum er den Ruf, hat ein excellenter Pilot zu sein. Und die Stingray, Swift und Bhyon lassen sich gern knüppeln. Die Kollegen dürften aber gerne das nächste Mal ein wenig mehr Abstand zu Zuschauern und Seilbahnen halten:evil:.

Es ist kurz nach Mittag, da höre ich einen Swift um Gnade wimm… äh- brummen. Das klingt doch nach…:evil: ….Na ja, immerhin diesmal am Stück geblieben! Und auch die Landung gelingt noch gut. Was man später vom Discus aus selbem Hause nicht mehr sagen kann (siehe Sonntag).

Der Tag vergeht wie im Flug. Kaum kommt man dazu, alle ausgestellten Modelle zu würdigen. Da wäre der große Neo-Discus, mit vielen interessanten Details, einem schicken Antriebskonzept und besonderem Design. Auch die Flügelbauweise ist interessant und piekfein gemacht, chapeau!

Da wäre dann noch die große JS-1 in 1:3, mit besonders leichter Bauweise für den Handstart ausgelegt -und man wird am Sonntag noch zeigen, dass das geht :ok:

Und so weiter…

Aber wo sind denn die Schweizer um Ueli Nyffenegger, TUN und die ganze GPS-Fliegerei? Auch die F-Schlepperei am Joch hätte ich gern gesehen. Ebenso fehlen eine ganze Reihe anderer erwarteter Personen und Firmen, wie mir scheint. Positiv gesehen, könnte man festhalten dass das Ganze so wenigstens familiär bleibt und man ungehemmt zum selber fliegen kommt. Und das tun wir denn auch, bis die Gondel ruft. Vorher schmeiße ich noch die offenbar angeknackste Triebwerks-Klappe von meinem Stingray ab (was dem aufmerksamen Publikum natürlich nicht entging)- für den war dann sicherheitshalber eben auch Siesta. Muss eben der Fox durchhalten…

Freitag 08.07.2016, ab ca. 21:00

Hackl`s Keller. Ich mag nicht gern drüber reden…

Samstag 09.07.2016, ca. 8:30 -11:00

Ich möchte immer noch nicht drüber reden. Das Wetter ist trüb/ regnerisch. Eine Tablette. Sollen sie doch alle am Perdatscher Bichl rumhängen…

Aber was ist das? Es hört auf zu regnen, die Wetter-App sagt Auflockerungen aus Vorarlberg kommend voraus. Tablette wirkt gut- also Schönjoch! Mit dem Auto (psst…) denn es könnte später werden als die Gondel erlaubt.

Und tatsächlich: während am frühen Nachmittag erst ein paar elektrische Flüge um das kalte und wolkenverhangene Schönjoch herum drin sind, klart es ab 15:00 plötzlich mit Macht auf. Ich kreise mit meinem Valenta-Salto bereits das erste zarte Bläschen aus, da fegt mir eine FS-4000 von hinten durch das Leitwerk in den Flügel und lässt von Ersterem nur noch Fetzen übrig, vom Flügel immerhin die Querruder dran. Die Landung ist heiß, gelingt aber soweit. Salto hat Feierabend, ich noch lange nicht. Da liegt noch der Fox… Leider hat die FS-4000 weniger Glück und der Pilot muss seinen Kernschrott schweißtreibend aus der Lawinenverbauung puhlen, als wäre er nicht gestraft genug…

Als endlich die ganze Mischpoke weg waren (Gondel :evil:), wurde es für uns Morgen. Großräumige 2,5m/s Steigen bei feinster Temperatur (tagsüber unvorstellbar) und als Mittäter nur noch -Lutz (WAM Stingray), die beiden von Matsches (Swift, eh klar), Meinereiner (Fox) und zwei namentlich unbekannte Jungs von Horizon Hobby, die dem verfügbaren Material entsprechend eher unauffällig agierten. Und dann auch plötzlich weg waren. Angst :evil:? Ok, heute hatte ich den neueren Flügel drauf, und die Matsches und die WAMs sollen ja auch nicht immer alles geschenkt bekommen… sorry…

Nach ich weiß nicht wie vielen Ablassern aus was weiß ich welcher Höhe war es endlich 19:00 wir hatten Hunger, waren unterhopft aber ansonsten sauglücklich.

Also Abendessen, Hackl… noch Fragen?

Ach ja: dazwischen das offizielle Abend-Programm: Nacht-Flug (oder was davon übrig war), Tombola und der „langhaarige Liederbombenleger“ in der mäßigen Hexen-Alm. Na ja… ging irgendwie an mir vorbei. Die Unterhaltung auf der Terrasse mit diversen Zeitgenossen war interessanter…

Sonntag, 10.07.2016, 3:30

Ausgang Hackl- Keller. Au wei…

Sonntag, 10.07.2016, 8:30

Endspurt! Warum sind wir eigentlich so erschreckend fit? Egal- Frühstück- auschecken- los! Ach ja, der Hubertushof erwies sich als überaus angenehme und preiswerte Unterkunft! Ein tolles Frühstück ist halt doch die halbe Miete :applause:

Oben angekommen, knüpfte man eigentlich an das Verhaltensmuster vom Freitag an- viel Neues gibt es nicht. Die JS-1 ging in die Luft, der Neo-Discus auch. Tolle Leistung der Piloten! Steffen und Holger von Tangent waren da, und zeigten neben den ASG29 von Theo und Roland ihre bekannten und bewährten Alpinas.

Von den vielen schnellen Überflügen der üblichen Verdächtigen gab es wohl nur wenige Bilder oder Videos. War wohl schwierig einzufangen. Auch kann ich im Netz nirgends die beiden Tangent ASG29, den Schreiber-Arcus, die Matsches-Swift, die X-Models und die verschiedenen Stingrays entdecken- selbes Problem? :applause:

Schade war`s um den final verendeten Discus. Aber ohne Flächen fliegt sich`s eben schlecht, und der Fels da droben ist hart. Schade, dass offensichtlich gute Piloten so labberiges Material in die Hand bekommen haben… Ganz ehrlich: ich finde, so langsam dürfte sich unter den „Profis“ herumgesprochen haben, dass Hangflug was anderes ist als das Fliegen unter Laborbedingungen. Vor Allem vor Publikum gehört nur vorher ausgiebig erprobtes Material in die Luft und in die Hände ausreichend darauf vorbereiteter Piloten. Dazu wäre es gut, wenn man weiß wo die Grenzen des Modells liegen, bzw. ganz allgemein was bauseitig gegen Flattern hilft…

Fazit:

Das Orga-Team hat wirklich einen Riesen Job gemacht. Es war wirklich an fast alles gedacht und die Infrastruktur war super.

Man hat wirklich viele interessante Menschen kennen gelernt, und alle die mir begegneten waren super drauf!

Die Flugleitung hatte manchmal keinen leichten Job, um hier konsequent auf Sicherheit hin zu arbeiten. Die Flugregeln waren eindeutig und ausreichend bekannt. Was gewissen Gleitschirmfliegern und anderen Vertretern der manntragenden Zunft trotz NOTAM manchmal im Hirn rumgefurzthat, kann ich mir auch nicht so recht erklären…

Gedanken machen sollte man sich auch über diverse Absagen machen, aber auch darüber, ob man nicht neue Impulse und Ideen braucht um einen weiteren Schwund aufzuhalten bzw. umzukehren.

Vor Allem sehe ich die Verwendung von facebook etc. als Medium für die Berichterstattung äußerst unglücklich! Wo sind auf Youtube oder auf der Homepage des Flying Circus direkt verfügbare Impressionen, Videos, Bilder, Stimmen, Kommentare etc. also all das was bei einem Betrachter das Gefühl auslöst: da muss ich auch mal hin? Warum gibt es keine Möglichkeit des Meinungsaustauschs während der Programmplanung, bzw. eine Plattform, um Gestaltungs-Vorschläge einzubringen? Oder sich und die Modelle vorzustellen so dass diese Info auch im Getümmel des Flugbetriebs geordnet widergegeben werden kann? Ich denke einige Hersteller hätten gerne mehr über ihre vorgeführten Modelle gehört – sie zahlen für diese Plattform ja auch das Sponsoring.

Ich denke insgesamt, dieser Event würde in fliegerischer und programmatischer Hinsicht davon profitieren, wenn sich mehr Teilnehmer früher und weitgehender vorbereiten und einbringen können…

Fliegerisch habe ich festgestellt, dass es unter den "richtigen" Seglern nach wie vor beträchtliche und für jedermann offensichtliche Unterschiede in den Leistungen gibt.
Richtig Tempo und Dynamik haben aus der ganzen Riege eigentlich nur sehr wenige gezeigt. Eben die schon angesprochenen Fox, die Matsches- Swift und WAM Stingray, dann mit guten fliegerischen Leistungen (Sicherheit ähem...) auch noch die X-Models Piloten. Die Klasse bis 3m scheint mir in dieser Leistungsliga für solche Alpinspots einfach die ideale Waffe zu sein.

An Scale-Maschinen ragten dynamisch eigentlich nur die üblichen Verdächtigen Theo und Roland heraus (dabei immer wieder erstaunlich, wie gut die im Vergleich preiswerte und bewährte Tangent ASG29 geht) :ok:

Riesen Respekt vor allen Piloten der großen Scale-Segler, egal ob Neo-Discus, JS-1 von RD, Arcus M von Theo etc. (Habe ich jemanden vergessen?). Es ist eine Herausforderung und macht viel her, solche Böcke in dieser Kulisse so sicher vorgeflogen zu bekommen :ok::ok:.

Und um auf die eingangs gestellte Frage zurück zu kommen, ob es richtig war sich bisher aus diesen Veranstaltungen raus zu halten: Nein! Ich kann jedem nur empfehlen, dort mit zu machen! Ob als Pilot oder auch nur als Zuschauer.

PS: Fiss bietet unglaublich viel auch für mitgereiste Frauen, Kinder etc. Modellflug im Einklang mit den familiären Interessen…

Gerd -und alle die am FC so viel Arbeit und Herzblut reinstecken: vielen Dank! Und all Jene, die dem Schönjoch fliegerisch Leben eingehaucht haben: War toll !!!


20.07.2016 Achim D.

Letzte Änderung amMittwoch, 09 August 2017 10:47
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